Schwachstellenanalyse, Beispiel: Trassen bergen existenzielle Risiken

Betriebsunterbrechungen sind nicht selten vermeidbar, wenn man die Risiken im Zuge von Schwachstellenanalysen diagnostiziert hat und präventiv Maßnahmen zur Abwehr von Schäden plant. Besondere Gefahren gehen von oft unbeachteten Trassen aus.

Nur wenige Unternehmen sind sich der Tatsache bewusst, dass existenziell bedeutsame Trassenwege durch Sabotage aber auch zufällige Risiken (Brand, technischer Unfall o.ä.) gefährdet sind. Kabeltrassen werden häufig durch öffentlich oder teilöffentlich zugängliche Bereiche geführt. Planer wählen gerne auch Tiefgaragen als Trassenweg, da man hier schnell und auf einfache Weise die Gebäudekerne mit erschließen kann.

So gibt es kaum eine Tiefgarage unter einem Verwaltungsgebäude durch die nicht Lüftungstrassen und vor allem Elektro- und Nachrichtentrassen geführt werden. Ein Kundiger kann oft auch ohne genauere Installationskenntnisse erkennen, was über eine solche Trasse geführt wird, da die Tiefgaragen keine Höhe haben und man sie nicht selten gut Kabelbahnen, ihre Beschriftung oder die Art der Kabel (ob Nachrichten- oder Elektrokabel) einsehen kann. Hier liegt eine nicht unerhebliche Verwundbarkeit von Unternehmen.

Die Schwachstellenuntersuchung eines Bankgebäudes aus den 90iger Jahren zeigte beispielsweise, dass es in der Tiefgarage, die auch Bankkunden zugänglich war und ist, 7 verschiedene Kabelwege gab, von denen jeder einzelne im Falle einer Unterbrechung zu erheblichen Betriebsstörungen, zwei sogar zum Ausfall des Serverraumes des Hauses im IT-Verbund führen würde. Ein Kfz-Brand in der Besucherebene der Garage würde zudem die Kälteversorgung der Server unterbinden. Die Rechner müssten heruntergefahren werden, wenn die Kälteleitungen, welche die Garage zu einem Schacht zu den Rückkühlern queren, nicht mehr zur Verfügung stehen.

Manches Unternehmen ist sich der Brisanz solcher Anlagen und Standorte bzw. Trassenwege nicht bewusst.

Schwachstellenanalysen tun Not. Dabei ist es wichtig, sowohl die Plandokumentation heran zu ziehen als auch eine physische Bestandsaufnahme auf der Basis von Begehungen durchzuführen. Die von zur Mühlen’sche GmbH, seit 1972 auf diesem Gebiet erfahren, führt derartige Schwachstellenanalysen durch und erarbeitet Sanierungskonzepte, um die Gefahren zu eliminieren.

Externe sehen mehr

Es hat sich bewährt, solche Analysen zusammen mit Externen Fachleuten durchzuführen, denn diese haben einen anderen Blick als Interne und vor allen: sie hinterfragen. Es gibt nämlich ein psychologisches Phänomen des Glaubens von Wissen: der Kenner des Hauses glaubt genau zu wissen, wie die Trassen verlaufen, wo etwas angeschlossen und aufgelegt ist. Aber Nachfragen im Detail ergeben, dass das Wissen oft unvollständig und manchmal fehlerhaft ist. Überbetriebliche Analyseerfahrung kann dann hilfreich sein.

Sie ist auch hilfreich aufgrund der Tatsache, dass fast überall die gleichen Fehler auftreten. Erfahrene Externe gucken daher von vornherein ganz anders und stellen die zielführenden, wenn auch manchmal unbequemen Fragen. Im Vordergrund steht dabei die Verfügbarkeit der Komponenten, die durch die Trassen erschlossen werden.

Interdependenzen finden Externe schneller

Externe kennen auch die Risiken in ihrer wechselseitigen Interdependenz. Insider betrachten die technischen Installationen monistisch also rein gewerkebezogen. Man darf aber nicht eine Elektrotrasse isoliert betrachten und eine daneben laufende Druckluftleitung außer Acht lassen. Beides zusammen kann nämlich eine Brandgefahr darstellen. Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass ein Abzweig-Verteiler, der von einer Elektrotrasse zu Leuchten führte, einen Schwelbrand verursachte. Eine direkt daneben fahrende Druckluftleitung wurde an einer Verbindungsstelle erwärmt und durch die Ausdehnung des Stahls leicht undicht. Druckluft entwich und fachte den Schwelbrand an. Die Weichmacherwanderung der Isolierung der Kabel, der Schwelbrand griff auf die ganze Trasse über, führte zu einem Verkohlen und schließlich zu einem kompletten Abbrand. In einem der Fälle führte dieser an zwei Stellen zu einem Lichtbogen und zündete die Wärmeisolierung (Armaflex) parallel laufender Rohrleitungen. Die Stützenergie reichte, um das ansonsten schwerentflammbare Material verbrennen zu lassen. Die Sanierung führte zu einer dreiwöchigen Betriebsunterbrechung.

In einem anderen Fall wurde in einer abgehängten Decke durch einen Schwelbrand eine große Menge unverbrannten aber zündfähigen Gasgemisches freigesetzt. Durch den Anstieg der Temperatur in der Decke entstand ein Hitzestau bis zu Zündfähigkeit. Die Zündung erfolgte verpuffungsartig.

Das nebenstehende Bild zeigt deutlich, dass die gesamte Decke dadurch herabgesprengt wurde und alle (!) Installationen dieser Trassenführung total zerstört wurden. Das Gebäude musste für 4 Monate geräumt und totalsaniert werden, da zudem die Brandschutzklappen falsch waren. Sie lösten nur über Schmelzlote - also thermisch - aus. Der Brandrauch aber war zu kalt, um die Auslösetemperatur von 72°C zu erreichen. Damit war der ganze Gebäudetrakt mit Rauch kontaminiert! Ein Schwachstellenanalyse hätte diese Zusammenhänge aufgezeigt und Abhilfe frühzeitig möglich werden lassen.

Folgende Fragen sollte sich jedes Unternehmen stellen:

  1. Hat Ihr Unternehmen Standards, wie Trassen zu planen, zu dokumentieren und ggf. nachzusichern sind? In den seltensten Fällen sind solche Standards in den Unternehmen vorhanden, dabei ist es ein Leichtes, solche entwickeln zu lassen, denn das Rad muss zumeist nicht neu erfunden werden. Andererseits muss man um sog. Unverträglichkeiten der verschiedenen Medien einfach wissen!
     
  2. Ganz wichtig und besonders schnell zielführend sind solche Standards, wenn entweder neu gebaut wird oder Sanierungen anstehen.
     
  3. Immer wieder hört man aber das pessimistische Argument: Wir können an dem Haus ohnehin nichts mehr ändern. Das ist zumeist nur teilweise richtig. Man muss nicht resignieren mit der Begründung, wir können im Bestand, der nicht saniert wird nichts ändern. Man kann es vielmehr ab jetzt richtig machen, wo Änderungen geplant sind.

    Ein Beispiel:
    Bei bestehenden Rechenzentren sind die Doppelböden oft voll. Nichts geht mehr. Es wird resigniert. Gelegentlich ist das der Grund, warum neue Serverräume oder gar ganze Rechenzentren geplant werden. Das ist bei vollen Doppelböden nur ganz selten notwendig!!!
     
    • Es ist richtig, dass man nicht eine komplette ad hoc-Uminstallation der Elektroversorgung über einen Doppelboden realisieren kann, ohne den Betrieb massiv zu gefährden.
    • Erfahrene Sanierungsberater der VZM GmbH aber gehen einen anderen, mittelfristig angelegten Weg. Statt der Verkabelung neuer Installationen über den Doppelboden lassen sie über den Rechnern (Rackreihen) Stromschienen verlegen. Alle neuen Anschlüsse werden über die neu verlegten Stromschienen vorgenommen.
    • Die Lebendigkeit der Rechenzentren führt dazu, dass schon in relativ kurzer Zeit von etwa 2 Jahren zwischen 60 und 80 % der Systeme über die neue Technik versorgt werden.
    • Dann ist es so weit, auch im Doppelboden aufräumen zu können. In vier Jahren spätestens herrscht risikoarme Installationssauberkeit.
    • Gepaart mit wesentlich höherer Flexibilität und stark verringerter Brandlast
    • Ein Nebeneffekt: Die Stromschienen amortisieren sich - Erfahrungen zeigen das - in ca. 4 Jahren weil der Nachinstallationsaufwand extrem herunter gefahren und dadurch die Betriebsführung ökonomisiert wird.
    • Insgesamt kann so die Nutzungsfähigkeit eines bestehenden Rechnerraumes wesentlich verlängert und die Sicherheit und Verfügbarkeit wesentlich verbessert werden.
       
  4. Zurück zur Schwachstellenanalyse: Derartige Ergebnisse kann es viele geben. Man muss nur richtig hinschauen und interdisziplinäres Wissen mitbringen, denn monistische Betrachtungen führen in Sackgassen. Und solche Analysen sind nicht unbedingt aufwändig. Manchmal reichen schon bei komplexen Aufgabenstellungen für erfahrene Fachleute 10 oder 15 Arbeitstage aus, bei kleinen Einheiten weit weniger!